Logo Stiftung Parkheim der Detaillistenkammer Hamburg

Unsere Geschichte

  • Die Stiftung

    Die Stiftung Parkheim der Detaillistenkammer Hamburg ist ein traditionsreiches Sozialprojekt des organisierten Einzelhandels. Ihre Geschichte verbindet sich eng mit der Entwicklung der Wohlfahrtspflege, den Wechselfällen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, markanten Architekten und den spezifischen Wohn- und Reformkonzepten der Weimarer Republik.

  • 1925

    Anfänge der Wohnanlage der Detaillistenkammer in Hamburg

    Die 1904 gegründete Detaillistenkammer Hamburg (eine der historischen Vorläuferinnen des heutigen Handelsverbandes Nord) vertrat die Interessen der Hamburger Einzelhändler. Vor dem Hintergrund sozialer Notlagen, unzureichender Alterssicherung für Einzelhandelskaufleute und Angestellte in den Nachwehen des Ersten Weltkriegs wurde im Jahr 1925 die Wohnanlage der Detaillistenkammer ins Leben gerufen.

  • 1926 – 1927

    Bau der Wohnanlage Parkheim

    Das Architekturbüro Puls & Richter: Mit dem Entwurf und der Bauleitung der Anlage wurden die renommierten Hamburger Architekten Alfredo Puls und Emil Richter betraut. Das Duo prägte mit zahlreichen wegweisenden Wohnungs- und Siedlungsbauten in Hamburg (wie etwa dem berühmten Kranzhaus in der Jarrestadt oder dem Daniel-Bartels-Hof) den städtebaulichen Ausdruck der 1920er und 1930er Jahre.
    Architektonische Besonderheiten: Die in den Jahren 1926 bis 1927 errichtete Wohn- und Stiftsanlage am Baumkamp / Ohlsdorfer Straße in Hamburg-Winterhude spiegelt die hanseatische Backstein-Moderne und den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik wider. Typisch für die Handschrift von Puls & Richter waren solide, langlebige Klinkerfassaden, eine funktionale und dennoch wohnliche Raumaufteilung sowie architektonische Details, die den Bewohnern trotz kompakter Struktur ein hohes Maß an Würde, Licht, Luft und gemeinschaftlichem Zusammenleben garantieren sollten. Die L-förmige Anlage war gezielt als fortschrittliche Seniorenwohnanlage konzipiert, die sich harmonisch in das städtische Gefüge Winterhudes einfügte.

    Zur Anlage gehören 168 Wohnungen mit 1, 2 oder 2 ½ Zimmern. Die Häuser sind dreigeschossig, die Fassade ist in Oldenburger Klinker ausgeführt, das Schrägdach mit roten holländischen Pfannen gedeckt. In der Gestaltung der Fassade griffen Puls & Richter Elemente des Expressionismus auf, auffällig die dreieckigen Standerker („Auslucht“).

  • 1937

    Gründung der Stiftung

    Gründung, Gleichschaltung & Rechtliche Überführung 1937

    Gleichschaltung der Kammern: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden auch die Strukturen der Hamburger Wirtschaftskammern und Berufsverbände „gleichgeschaltet“ und dem nationalsozialistischen Wirtschaftssystem untergeordnet. Die unabhängigen Selbstverwaltungsorgane wurden dabei durch linientreue Funktionäre ersetzt.

    Ausrichtung der Stiftung: Wie viele soziale Einrichtungen jener Zeit wurde auch die Stiftung in das System der nationalsozialistischen Wohlfahrt (wie die NSV) eingebunden und unterstand strengen staatlichen sowie parteipolitischen Vorgaben. Als 1937 die damalige Industrie- und Handelskammer die Rechtsnachfolge der Detaillistenkammer antrat, wurde das Grundvermögen des Parkheims offiziell in die rechtlich eigenständige „Stiftung Parkheim der Detaillistenkammer“ überführt.

  • 1939 – 1945

    Kriegsjahre und Zerstörungen

    Während der verheerenden Luftangriffe auf Hamburg (Operation „Gomorrah“ im Juli 1943) sowie in den darauffolgenden Kriegsjahren erlitten auch die Stadtteile Winterhude und die stiftungseigenen Gebäude erhebliche Schäden.

    Durch zwei schwere Bombentreffer im Bereich der Ecke Baumtwiete und Baumkamp – auf beiden Seiten der Baumtwiete – wurde die Wohnanlage massiv getroffen. 

    Bis zum Kriegsende 1945 waren rund 45 % der gesamten Wohnanlage beschädigt oder zerstört. Die Infrastruktur war stark beeinträchtigt, und die Erhaltung sowie der Betrieb des Parkheims standen unter den extremen Bedingungen der späten Kriegs- und Nachkriegsjahre vor enormen Herausforderungen.

  • 1945 – 1970er

    Nachkriegszeit und Wiederaufbau

    Instandsetzung: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stiftung reaktiviert. Die kriegsgeschädigten Gebäude am Baumkamp wurden schrittweise instand gesetzt, um erneut Wohnraum für ältere Menschen bereitzustellen.

    Rechtliche und strukturelle Anpassung: Die Detaillistenkammer beziehungsweise deren Nachfolgeorganisationen führten die Stiftung Parkheim als eigenständige soziale Einrichtung fort, um den ursprünglichen Stiftungszweck – bezahlbares Wohnen für ältere Einzelhändler und Einzelhändlerinnen aus dem Berufsstand – zu sichern.

  • 1970er – heute

    Gegenwart und heutiger Zustand

    Heutiger Standort und Nutzung: Die historischen Stiftwohnungen befinden sich nach wie vor am Standort Baumkamp, Bussestraße und Ohlsdorfer Straße in Hamburg-Winterhude.

    Zielgruppe und Charakter: Die Wohnanlage richtet sich als bevorzugter Wohnraum an Seniorinnen und Senioren aus dem Einzelhandel.

    Denkmalschutz: Die von Puls & Richter entworfene Anlage steht heute unter Denkmalschutz. Sie zeugt eindrucksvoll von der qualitätvollen Architektur der 1920er Jahre in Hamburg und steht beispielhaft für die Reformbestrebungen im sozialen Wohnungsbau.